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Attwenger
Verleihung des FM4-ORF Amadeus Award 2003 an Attwenger

Most, Pflug, Luft, Song, Sun und die Kia
Aus welchen Käffern und Abgründen die geniale Idee "Attwenger" Anfang der 90er Jahre gekommen war, vermochten selbst die dienstältesten FM4ler bei einer Befragung nicht so genau festzustellen:
Enns? Mostviertel? Innviertel? Obstviertel? Mühlviertel? Kamen sie aus dem Kulturzentrum "Kanal" Schwertberg, aus der Linzer Hardcore Rezeption um Fadi Dorninger und die Kapu? Wonach sind die benannt? Nach der Ortschaft "Attweng"? Nach einer oberösterreichischen Verballhornung von "Ein Bisschen"? Oder doch nach einem Tischler, wie die von ihnen kolportierte Legende geht?
Und wem ist das eingefallen? Sind sie die Schwiegersöhne von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker? Von Jacques Derrida und Peter Rosegger im Kopfgeburtenrausch gezeugt? Haben sich das Ganze Asger Jorn und KRS One beim Schnapsen ausgedacht, und zwei wehrlose Musikanten mussten das dann ausführen? Oder alles zusammen?

Wama Liaba, Wama Liaba!
Ni "Volksmusik"- Ni "Novelty" ... Als sie mit ihrem minimalistischen Konzept "Gstanzln treffen auf New Wavig gespielte Maschinenbeats" anfingen, war das ein klassischer Novelty-Fall. Ein "musikalischer Witz", ein "Gesprächsthema", ein Beeindruckungsversuch mit einer zeitgeistigen Idee von "Think Global, Act Local"- eher ein außermusikalisches Thema, das sich schnell durch etwas anderes mit Neuheitswert für den Frühstückstisch ersetzen ließe. Attwenger schafften es aber auf eine beeindruckende Art, sich zu verändern, ohne sich zu verändern und somit ein künstlerischer Fixpunkt zu bleiben. All die naheliegenden Issues, die von ihnen angerissen wurden, deren Teil sie waren [von "Volksmusik" bis "Avantgarde", von "Literatur" bis "Ironie", von "Internationalismus" bis "Groove"], wurden nicht gestreift oder "exploited", sondern durchdacht, angeeignet und verarbeitet:
Musikalische Offenheit innerhalb eines strengen Konzepts, textliche Verfeinerung innerhalb des gnadenlosen Minimalismus, politische Offenheit und klare Standpunkte innerhalb des Images als Dialektlandeier, Vieldeutigkeit innerhalb der artifiziellen Reduktion, Intellektualität versteckt in einem Groove aus Holz - das verstanden Attwenger immer und dachten es mit, oft ohne dass die Kritik das gleich bemerkt hätte.
Kein Wunder, dass sie das nicht bemerkt hat, war doch auf diesbezügliche Fragen oft nur antiintellektuelles Grunzen aus den Mündern von Hans Peter Falkner und Markus Binder zu hören.
"Neue Volksmusik": Mit diesem unsäglichen Attribut sind Attwenger jahrelang gequält und in die "Ausseer Hardbradler"- und "Koa Hiatamadl"-Ecke gedrängt worden. Sie habens überstanden.
Ist ja auch daneben und lachhaft, aber mit sowas haben sich KünstlerInnen eben auseinanderzusetzen, auch wenn sie avantgardistische Ideen abarbeiten. Und am besten, wenn ihnen solche Dinge, ihre Musik und ihr Konzept im Auge behaltend, gleichgültig sind.

Dekonstruktivismus meets "die Kia"
In ihren Anfängen, den gerade ausgeklungenen stylishen, weltbürgerlichen 80er Jahren, wurde das Dumpftum und das Österreicherhafte von Attwenger oft benasrümpft, vielleicht auch wegen ihrer grummeligen Kommunikationsverweigerung. Die Derbheit, mit der der Beat und der Mostviertler [Innviertler? Obstviertler? Mühlviertler? ... aahhh ...] Rap auf die Menge gelassen wurde, das Kasperlhafte und dabei doch Grantige machte ihnen bei einem Teil ihres Publikums nicht nur Freunde. Bandnamen wie "Die Goas" oder Tapes namens "die Kia" haben sich nur schlecht mit dem "Derrida"-Bändchen vertragen, das viele Konsumenten avancierterer Popkultur, meist männliche und "feinsinnig- intellektuell- offene", damals in der Jackentasche spazieren trugen.
Dennoch hatten wir da eine im besten Sinn "postmoderne", "dekonstruktivistische", "klandestine", "dissidente", "artifizielle", "situationistische", "internationalistische" "Zelle", die auch noch in den "Groove" drängte und ihre "Version" davon machte.
Alles, was alle wollten und wovon alle sprachen, aber man sah es eben nicht gleich.

Oder ich sah es nicht gleich. Denn das ist [auch] eine Selbstbeobachtung: Ich habe Attwenger damals nicht gemocht und mich in dieser Ablehnung wohl für einen besonderen Ästheten gehalten. Voll des Dünkels war ich, und die Früchte der Theorie der 80er Jahre sah ich vor lauter Dünkel nicht, weil sie sich mir in Gestalt zweier nachlässiger, grantiger, schmutziger Landeier, wie ich selbst eines war, eröffnet hatten. "Provinzialität" und wieder das böse "Neue Volksmusik"-Attribut im Ohr stand ich damals vor der Provinzbühne und sah dennoch nicht wenige, meist weibliche, Menschen zum eckigen Attwenger-Beat tanzen.
Ohne Dünkel konnte man sich der Attwengermusik und dem Attwengertext gut nähern. Die Texte hatten eben nicht nur "Dekonstruktivismus" draufstehen, sie waren auch als Texte zu gebrauchen.
Oder kennt jemand eine kunstvollere und tröstlichere österreichische Popzeile wie das Mantra: "Es wead wieda woam wean"?
Ernst Jandl hat das erkannt und sein donnerndes Dichterwort oft in Pro-Attwenger-Richtung geschleudert.
Die Kunst und die Lyrik Attwengers bekamen ihr Recht.
John Peel hat das erkannt und sich in seiner Sendung auf BBC als Fan dieser seltsamen, unverwechselbaren und auf eine bizarre Art ortlosen Musik geoutet.
Und die Band Attwenger bekam Recht.

"...kein Kleinkarierter soll ihnen was erzählen".
Die FM4 Community hat auch was erkannt.

Per Webvoting wurden Attwenger von den Usern dieser Seite zum beliebtesten "Alternative Act" gewählt, auch - und das macht sie besonders glücklich, wie man hört - für das dezitiert internationalistische und explizit politische "KaKlakarieda".

Sie haben gewonnen und Stermann & Grissemann überreichen ihnen die Trophäe.

Wir gratulieren herzlich.

Weitere Besprechungen
Berner Zeitung
Artikel zum 20sten Jubiläum, Wiener Zeitung, 23.04.2010
Konzertkritik, Süddeutsche Zeitung 26.01.10
"Attwenger DVD" / Zuckerkick: zuckerbeat vol.74
TZ Livetipp / 26.März 2009
Jazzatlas 2008
Tour-Telegramm aus Indonesien / März 2008
SALZBURGER NACHRICHTEN / Livekritik September 2007
NÜRNBERGER ZEITUNG / Livekritik 17.Mai 2007
Live in Schorndorf 20.10.2006 / Schorndorfer Nachrichten
Dog / Musik an sich
Attwenger LIVE in Riedhausen 2007
a-guide / Interview 2007 / Austria
Live / Esslinger Zeitung, 23.10.2006
Live in Schorndorf 20.10.2006 / Stuttgarter Zeitung
Schwarzwälder Bote / 19.7.2006
NOW / Oktober 2005 (Austria)
Kurier - Wien / September 2005 (Austria)
Dog / MMAG / Austria
dog / M-MANUAL / Austria
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Dog / ORF Radio Ö1 - Austria
Dog / Aargauer Zeitung - CH
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Dog / Concerto Wien - Austria
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Dog / FM 4 - Prime Cuts - Austria
Dog / Die Presse - Austria / 1.10.2005
Dog / Falter - Austria / 10.2005
Dog / Folker / 1.2006
Dog / tv.orf.at - Austria
Dog / Plärrer
Dog / Glitterhouse / 10.2005
Dog / das Kulturmagazin - Austria / 1.11.2005
Dog / Frankfurter Rundschau / 12.11.2005
Dog / Highlightzone.de
Dog / Jazzthetik / 11.2005
Dog / Junge Welt / 2.1.2006
Dog / KulturServerGraz - Austria / 10.2005
Oberösterreichische Nachrichten / 27. Jänner 2006 "Live in Linz"
Dog / Kultur Megaphon - Austria / 28.9.2005
Dog / Musikexpress / 1.2006
Dog / Profil - Wien - Austria / 10.2005
Dog / Rondo - Austria
Dog / Schlendrian
Dog / Skug
Dog / Solothurner Zeitung / 8.11.2005
Dog / Sperrstunde.at - Austria / 2.10.2005
Dog / Spex / 12.2005
Dog / Spex / 12.2005
Dog / Spiegel online / 28.11.2005
Dog / Der Standard - Wien - Austria / 4.10.2005
Dog / Der Standard - Wien - Austria / 5.10.2005
Dog / Stuttgarter Zeitung online / 11.2005
Dog / Der Süden / 3.3.2006
Dog / Taz Berlin / 25./26.2.2006
Dog / Tiroler Tageszeitung
Dog / Westzeit / 1.11.2005
Dog / Wiener - Austria
Dog / Zive - Austria
Dog 2 / Falter - Wien - Austria / 5.2006
Dog2 / Glitterhouse
Dog 2 / Hermann / 6.2006
Dog 2 / Jazzthetik / 5.2006
Dog 2 / Lichtspiele - Austria
Dog 2 / Message - Austria
Dog 2 / Neue Szene Augsburg / 5.2006
Dog 2 / sound&image.de
Dog und Dog 2 / St. Galler Tagblatt - Austria / 4.5.2006
Dog 2 / Wienerzeitung - Austria / 27.5.2006

Musikexpress / August 2006 (dog 2)
TAZ - Kultur - 30. Juni 2006
dog 2 / SKUG # 66 / Austria 2006
dog 2 / Südwind Magazin / Austria 2006
Attwenger für den Amadeus 2006 nominiert
FM4 Amadeus Award
Süddeutsche Zeitung
Sun / Spex
Sun / Pro 7
Sun / Der Standard - Austria / 29.3.2002
Sun - Interview / Der Standard / 14.3.2002
Sun - Interview / Falter - Austria / 3.2002
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